IgFS – Interessengemeinschaft
Fahrzeugrestauratoren Schweiz

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Johannes Jucker hat sich in der Wagenschmitte in Neerach auf die Restauration von Fiat- und luftgekühlten VW-Oldtimerfahrzeugen  konzentriert. Die Nachfolge im Betrieb ist aufgegleist.

«Von 1982 bis 1986 absolvierte ich eine Lehre als Landmaschinenmechaniker. Da bereits mein Vater und mein Grossvater als Huf und Wagenschmiede mit landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen zu tun hatten, war meine Berufswahl nicht ganz überraschend, obwohl mich mein Vater nie dazu gedrängt hatte.

Der Umgang mit Mechanik scheint bei uns fest in den Genen verankert zu sein. Schon damals fand ich alles spannend was mit Mechanik zu tun hatte und auch heute kann ich mich für eine alte Uhr genauso begeistern wie für alles andere, irgendwie halt mechanisch Betriebene.

Nach Abschluss meiner Lehre machte ich mich auf die - damals noch üblichen – Wanderjahre und verbrachte die nächsten zwei Jahre in der Ostschweiz. Mein Zürcher Dialekt kam zwar nicht überall gut an aber gelernt habe ich trotzdem vieles.

Schon zu meiner Lehrzeit hatte ich mir einen Fiat 500 kaufen können und ihn liebevoll restauriert. Das Resultat fand Beachtung und irgendwann kamen andere 500-er Besitzer auf mich zu, mit der Bitte, ihr Auto ebenfalls zu restaurieren. Ein Projekt war ganz besonders und nur das Beste vom Besten war gut genug. Das mit diesen Arbeiten verdiente Geld erlaubte es mir schliesslich, eine viermonatige Reise durch die USA zu unternehmen.

1991 war es mit dem Zigeunerleben vorbei und ich fing als Mechaniker im Betrieb meines Vaters an. Ungefähr zehn Jahre später – mein Vater war inzwischen 62 Jahre alt – ging es an die Nachfolgeregelung der elterlichen Firma. Sie wurde in eine AG umgewandelt, mit mir als offiziellem Geschäftsführer.

Die Arbeiten an und mit Oldtimern wurde immer wichtiger und meine Affinität zu gewissen Fiat-Oldies war mittlerweile schweizweit bekannt geworden. Das Verhältnis zu den Landwirtschaftsmaschinen- und Traktorenfabrikanten wurde mit all den Corporate Identity Vorgaben auch nicht einfacher und Ende 2013 entschloss ich mich, die Markenvertretung aufzugeben und die «Wagenschmitte» vor allem auf Arbeiten an Oldtimern zu fokussieren.

Ich fand einen sehr talentierten Spengler (er ist seit 2013 bei uns), und wir machten quasi unser Hobby zum Beruf. Zu ca. 60 Prozent befassen wir uns mit Fiat-Oldies, mehrheitlich aus der 500er und 600er Reihe und bald kam eine neue Leidenschaft, die luftgekühlten VW dazu. Wir haben aber ein grosses Herz für alles Alte und Schöne und so findet sich zurzeit auch ein 50er Jahre Buick und ein Vorkriegs-Austin in unserer Werkstatt.

Wir machen sämtliche mechanischen und auch Carrosserie-Arbeiten hier bei uns. Für die maschinelle Bearbeitung der Motorenkomponenten sowie für Lackierungs- und Interieur-Arbeiten haben wir zuverlässige und langjährige lokale Partner. Auch wenn ich mich für einen 300-PS Sportwagen begeistern kann, habe ich mich bewusst fast immer mit kleineren Autos beschäftigt, im Wissen, dass sich mein Führerschein mit einem richtigen Strassenrenner vielleicht schon lange in Luft aufgelöst hätte.

Die Kunden sind sich oft nicht im Klaren, was eine Komplettrestaurierung alles beinhaltet und was das Ganze kosten kann. Vor jeder Restaurierung mache ich deshalb einen Werkvertrag mit dem Besitzer, worin steht, dass nach einer ersten Bestandesaufnahme sämtliche Kosten reine Schätzungen sind und Abweichungen bis zu über 100 Prozent möglich sind.

Wir wollen keine halben Sachen machen und legen höchsten Wert auf Originalität. Wir wissen ja alle, dass eine Restaurierung meist ein Mehrfaches von dem kostet als geplant wurde, und dass die Kosten den Wiederverkaufswert unter Umständen deutlich übersteigen.

Es gibt aber auch Kunden, die ihren Oldie, vielleicht aus altem Familienbesitz, einfach perfekt haben wollen und da ist es auch schon vorgekommen, dass der Aufwand für Spenglerarbeiten an einem T1 VW-Bus 800 Stunden betrug oder der Käfer vom Grossvater am Ende mit einer ansehnlichen sechsstelligen Summe zu Buche stand.

Schliesslich ist Erhalten immer nachhaltiger als neu kaufen. Es ist schön zu wissen, dass einem Oldtimer, der unsere Werkstatt verlässt, ein neues Leben geschenkt wurde. Noch etwas zur Originalität: Mir stehen die Haare zu Berge wenn ich nur schon ein Loch in ein Armaturenbrett bohren soll. Ich versuche die Kunden dazu zu bewegen, die Originalsubstanz ihres Fahrzeugs wenn immer möglich zu erhalten.

Ein Fiat 500 beispielsweise mit seinen 18 PS und unsynchronisiertem Getriebe lässt sich mit relativ wenig Aufwand auf die modernere Fiat 126 Technik umrüsten und bietet so ungleich besseren Fahrspass. Dies ist aber alles reversibel und das Auto kann mit wenig Aufwand auf seine Originalspezifikationen zurückgebaut werden. Teile sind für diese kleinen Fiat eigentlich unproblematisch. Über die Jahrzehnte ist bei uns ein enormes Lager an Ersatzteilen entstanden. Was sich bei uns nicht finden lässt, hat sicher irgendjemand in Europa. Unser entferntester Lieferant war bislang in Argentinien.

In einigen Jahren werde ich den Betrieb an meinen Sohn, die siebte Generation, übergeben. Er hat denselben Beruf ergriffen und zusätzlich die IgFS-Ausbildung zum zertifizierten Fahrzeugrestaurator abgeschlossen. Die Zukunft der Wagenschmitte, geründet 1851, ist also gesichert. Wir bieten ferner mit unserer Erfahrung und den entsprechenden Kenntnissen auch gerne Praktikumsplätze für angehende Fahrzeugrestauratoren an.

Notiert von Beat Walti, Vorstandsmitglied